Das Tal der Rosen - Geschichte des Stadtteils Hambach
Eine alte Legende erzählt, daß vor fast 2000 Jahren eine römische Patrouille an der Strada Montana bei Heppenheim Rast gemacht haben soll. Dabei ist einem der Legionäre die mit Wein gefüllte Amphore aus der Hand gefallen. Diese zerbrach auf dem Boden und es ergoß sich römischer Wein mit Weinkernen auf Heppenheimer Erde und aus diesen Kernen sollen die ersten Bergsträßer Reben entstanden sein!

Hambach unter dem Schutz des Klosters Lorsch

Erstmals nachweislich erwähnt wurde Hambach am 11. Juni 1165. Eine Urkunde, die heute noch im Fürstlich Löwensteinischen Archiv in Wertheim aufbewahrt wird, hatte der damalige Kaiser Barbarossa die in Hambach liegenden Grundbesitze des im Taubertal beheimateten Klosters Bronnbach unter seinen Schutz genommen.

Dieses Datum darf man jedoch keineswegs als Zeitpunkt der ersten Besiedlung des Hambacher Tales ansehen. Die Vermutungen, daß die ersten Bewohner schon wesentlich früher ihre Häuser entlang des Bachlaufes gebaut haben, nehmen die meisten Heimatforscher und Historiker an. Sicherlich haben schon unmittelbar nach Gründung des Klosters Lorsch die ersten Siedler eine neue Bleibe in dem schönen sich dahinschlängelnden Tal gefunden. Denn mit der Geschichte des Klosters Lorsch, seinem Aufstieg und seinem Niedergang, ist auch die Historie des Dorfes Hambach eng verbunden.

Gerade während der höchsten Blütezeit des Klosters Lorsch um 1050, erlebten die ersten Bewohner des Tals geschichtliche Entwicklungen. Erzbischof Adalbert, der Ziehvater des damals erst vier Jahre alten Königs Heinrich IV., war stark an der Besitznahme des Klosters interessiert. Zumal es Ländereien von den Niederlande bis hinunter in die Schweiz besaß. Wer die Macht der Klöster auf sich vereinigen konnte, hatte auch die Macht im Land. Udalrich, der damalige Abt vom Kloster Lorsch erkannte die Gefahr und ließ zum Schutze des Klosters innerhalb kürzester Bauzeit im Herbst des Jahres 1065 die Starkenburg auf dem 296 Meter hohen Schloßberg errichten. Ob beim Bau der Wehranlage neben den Mönchen auch schon Hambacher Bewohner beim Bau mitgeholfen haben, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Der sehr ehrgeizige norddeutsche Adalbert belagerte jedoch vergeblich die Burg. Schließlich drangen ihn die deutschen Fürsten im Reistag zu Trebur zur Aufgabe seiner Pläne. Er mußte unverrichteter Dinge wieder abziehen. Später hörte man nicht mehr viel von dem alten Herren, dessen Machtgelüste ab diesem Zeitpunkt ein Ende nahmen. Im Harz soll er verstorben sein und nur der junge Heinrich IV. war an seinem Sterbebett.

Kurmainz und Kurpfalz
Nach fast 500 Jahren ging es mit der Macht des Klosters bergab. Der weltliche und geistliche Herrscher befand sich in großen Zahlungsschwierigkeiten. Der Erzbischof von Mainz, Siegfried von Eppstein, übernahm im Jahre 1232 alle Besitztümer des Klosters und somit hatte auch das kleine Dorf Hambach einen neuen Landesherren bekommen.
Doch schon nach sehr kurzer Zeit gab es wieder neue politische Spannungen in unserem Raum, zumal sich Heppenheim und somit auch Hambach an der Grenze zwischen dem kurmainzischen und kurpfälzischen Raum befanden. Kriege zwischen dem Erzbischof Adolf von Nassau sowie Kurmainz und Kurpfalz brachten nichts Gutes für die hiesige Bevölkerung. Besonders die Dörfer mußten zur Begleichung der Kriegsausgaben Frohndienste leisten.
Schon sehr bald befanden sich die Kurmainzer Landesherren ebenfalls in Zahlungsschwierigkeiten und das Amt Starkenburg, zu dem auch Hambach gehörte, wurde an die Kurpfalz für damals 100 000 Goldgulden mit dem Recht auf Wiedereinlösung verpfändet. Doch bis das Land wieder an Kurmainz zurückgegeben wurde, mußten über 150 Jahre vergehen. Noch im Jahre 1610 wurden alle Hambacher Bewohner auf die Starkenburg befohlen um dem damaligen kurpfälzischen Administrator, Herzog Johann von Zweibrücken, zu huldigen. Auch in der Religion gab es für die Hambacher Bevölkerung einen Wechsel. Denn damals galt das Gesetz "So wie die Religion des Landesherren, so muß auch die Religion seiner Untertanen sein!"
Da sich der kurpfälzer Landesherr schon sehr früh zum reformierten Glauben bekannte, mußte auch das gläubige Hambacher Volk sein einst katholisches Gesangbuch in das evangelisch/reformierte tauschen. Von Glaubensfreiheit also keine Spur. Im Jahre 1618 begann mit dem Fenstersturz zu Prag der 30jährige Krieg, der für die heutige Generationen unvorstellbare Ausmaße angenommen hatte. Viele Städte waren nach diesen Ereignissen zu Ruinen geworden. In Deutschland wurde die Bevölkerung von 18 auf nur noch 9 Millionen hinweggerafft. Dazu kamen noch große Verluste durch die Pest, die im Jahre 1635 und auch nach dem Krieg im Jahre 1666 in unserem Raum wütete. Die Bevölkerungsdezimierung war in Hambach besonders deutlich. Während vor dem Krieg etwa 150 Menschen im Tal der Rosen lebten, waren es nach 1648 kaum mehr als 50 Personen. Hambach war fast ausgestorben. Auch im Städtchen Heppenheim gab es kaum mehr als 1500 Menschen. Heppenheim und somit auch die Dörfer, darunter Hambach, wurden noch in diesem Krieg wieder kurmainzisch. Aus Aschaffenburg kommende Jesuitenpater brachten die Bevölkerung wieder zum katholischen Glauben zurück.
Die Ereignisse wurden sogar im Heppenheimer Kirchenbuch festgehalten. Pfarrer Schemel, der auch für das Dorf Hambach zuständig war, schrieb im Jahre 1693: "Johann, der Sohn von Johann Tempacher wurde auf der Starkenburg getauft, während die Stadt Heppenheim der französischen Feuersbrunst zu Opfer fällt!" Im selben Jahr ist Heinrich Gremm von Hambach von den Franzosen erschossen worden. Und Ende 1693 schreibt Pfarrer Schemel: "Das Jahr 1693 geht zu Ende, Hunger und Elend wüten in der Stadt, und der schreckliche Krieg geht weiter!"
Auch den Spanischen Erbfolgekrieg kurz nach 1700 zwischen Frankreich und Österreich bekamen die Bewohner unseres Gebietes zu spüren. Pfarrer Lautenbach vermerke im Jahre 1704 in das Heppenheimer Kirchenbuch: "Kriegstumult und der Feind in der Nachbarschaft zwingen alle Pfarrkinder, sich zur Flucht in Sicherheit zu bringen!"
Die Starkenburg selbst, die jahrhundertelang als politisches Bollwerk galt und unserem Raum ihren Namen gab, erlebte bei dem Franzoseneinfall im Jahre 1693 die letzten massiven Kampfhandlungen. Der Unterhalt der Burg war den Kurmainzer Landesherren auf die Dauer zu kostspielig geworden. Um dennoch zu Geld zu kommen, wurde mit dem Abbruch der Burg begonnen, was sich in heutiger Zeit als ein großer Fehler herausstellte. Stein für Stein, Kachel für Kachel, wurden abgetragen und im Heppenheimer Amtshof versteigert. Mit den ersteigerten Materialien wurden zahlreiche Häuser in Heppenheim neu gebaut. Doch die Erlöse waren nicht befriedigend. Für einen Schandpreis wurden die historischen Materialien verhökert. Ein Einsehen kam erst im Jahre 1787, als die Burg unter Schutz gestellt wurde und als "Denkmal alter deutscher Kunst und Sitte" bezeichnet wurde. Doch der Raubbau setzte sich, wenn auch nicht mehr im hohen Maße, weiter fort. Nicolaus Schneider, Georg Straub, Johannes und Jakob Jäger, Christoph Hofmann, Georg und Johann Bauer, Philipp Rutz, Philipp Guthier und Johann Hofmann waren in den darauffolgenden Jahren Pächter der Zwinger und Gärten auf der Burg.
Schon kurz nach 1800 bekam die Hambacher Bevölkerung wieder einen neuen Landesherren. Das Oberamt Heppenheim, welches zu Mainz gehörte, kam zum Fürstentum Starkenburg. Auslöser war die im Jahre 1792 beginnende Französische Revolution, als die weltlichen Herrscher für verlorene Gebiete westlich des Rheins entschädigt wurden.

Neubeginn nach 30 Jahren Krieg
Die Bewohner des Hambacher Tales blieben auch in früherer Zeit nicht vor Naturkatastrophen verschont. So wurde im Jahre 1686 das Dorf von einem schweren Unwetter heimgesucht. Die gewaltigen Wassermassen verwandelten den sich sonst friedlich dahinschlängelnden Hambach in einen reißenden Strom. Vielerorts ist im Dorf schwerer Schaden am Eigentum der Bevölkerung entstanden. Ob das Unwetter auch Menschenleben gefordert hat, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Das gläubige Volk hat jedoch, gemäß einer Urkunde aus dem Jahre 1695 gelobt, regelmäßig einen Tag herauszudeuten, an dem in Gottesdiensten an dieses Ereignis erinnert werden soll. Diese Tradition setzt sich auch bis in die heutige Zeit fort.
Der Frieden im Land sollte sich jedoch nicht lange halten. Französische Heere begaben sich ab 1688 auf Raubzüge in die Pfalz und nach Schwaben. Obwohl Heppenheim und somit auch Hambach Kurmainzer Besitz waren, mußte die Bevölkerung unter den französischen Einfällen leiden.
Im Reichsdeputationshauptbeschluß, der 1803 auf dem Reichstag in Regensburg gefaßt wurde, mußten alle geistlichen Fürstentümer, darunter war nun mal Mainz, weltlichen Herrschaften unterstellt werden. Schon im Jahre 1807 wurde das Fürstentum Starkenburg wieder aufgelöst und Hambach wurde der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zugeteilt.
Größere politische Ereignisse gab es in unserem Raum erst wieder ab 1848, als revolutionäre Bewegungen für verbesserte Lebensbedingungen eingetreten waren. Auch in Hambach hatten sich nicht wenige Männer bei großen Demonstrationen beteiligt. Der Großherzog in Darmstadt sicherte der Bevölkerung eine Überprüfung ihrer Wünsche und Forderungen zu.
Während England mit dem Beginn der Industrialisierung und deren Entwicklung in der Mitte des letzten Jahrhunderts gegenüber Deutschland weit voraus war, ging es in unserem Raum nur sehr zögerlich aufwärts. Die neu eingerichtete Bahnstation ermöglichte jedoch bessere infrastrukturelle Bedingungen. Auf Grund der schlechten Lebensqualitäten zog es viele Teile aus der Bevölkerung nach Amerika. Dort versuchten auch viele Heppenheimer und Hambacher ihr Glück.

Der Schritt in eine moderne Welt

Mit der fortschreitenden Industrialisierung setzten nach 1870 wieder bessere Lebensqualitäten für die Menschen in unserem Raum ein. Der deutsch-französische Krieg von 1870-1871, der von Frankreich erklärt worden war und von Deutschland gewonnen wurde, brachte nochmals Leid für das Dorf Hambach. Von den wehrfähigen Männern zogen 20 Hambacher in den Krieg. Der 1. Weltkrieg von 1914-1918 brachte herbe Verluste für das Dorf. 35 Männer kehrten nicht mehr in die Heimat zurück und weitere 4 Männer starben an den Kriegsfolgen.
Die Zeit vor der letzten Jahrhundertwende war auch in Hambach die Zeit der Vereinsgründungen. Der älteste Verein in der Gemeinde ist der Männergesangverein Liederkranz Hambach, der im Jahre 1886 ins Leben gerufen wurde. Bei seinem 100jährigen Jubiläum 1986 wurde noch ein Frauenchor innerhalb des MGV gegründet. Im Jahre 1895 folgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Auch der Sport kam nicht zu kurz. Im Jahre 1899 formierten sich begeisterte Turner zum Turn- und Sportverein Hambach.
Jüngster Sproß im Reigen der Hambacher Vereine ist das Deutsche Rote Kreuz, Ortsvereinigung Hambach. Seit 1945 wird Rotkreuzarbeit in Hambach geleistet. Die Ortsvereinigung Hambach selbst besteht seit 1960.
Schwere Jahre galt es nochmals von 1939 bis 1945 zu überstehen. Im 2.Weltkrieg der hoffentlich der letzte war, hatte Hambach 37 Tote und 24 Vermißte zu beklagen. Weitere vier Hambacher sind an den Kriegsfolgen gestorben. Das Kriegerehrenmal an der Hauptstraße soll für zukünftige Generationen stets eine Stätte der Erinnerung aber auch Mahnung sein.

Verwaltung, Kirche und Brauchtum in Hambach

Verwaltung

Der früheste Nachweis eines Hambacher Bürgermeisters geht bis in das Jahr 1625 zurück. Der 30jährige Krieg war in vollem Gange und Hambach zählte zur damaligen Zeit kaum mehr als 150 Einwohner.
l655 wurden die Besitzverhältnisse für alle Bewohner für steuerliche Zwecke (Renovation) neu festgelegt. Ferner wurde verfugt, daß ein jedes Dorf seinen besonderen Bürgermeister stellen, jedes Jahr ein Haingericht und der jedes Jahr zu wählende Bürgermeister vom Heppenheimer Schultheißen in die Pflicht genommen werden muß. Als erster Bürgermeister wurde 1625 Peter Hofmann gewählt. Die Dörfer Kirschhausen, Sonderbach und Walderlenbach konnten erst viel später, einige erst 1763 in noch heute vorhandenen Dokumenten die Namen ihrer Bürgermeister nachweisen. Dabei wird für Hambach kein Unterschied zwischen Ober- und Unterhambach gemacht. Spätestens ab dem Jahr 1730 tritt in den Dörfern an die Stelle der Bezeichnung "Bürgermeister" der Name "Achterbürgermeister" auf. In historischen Urkunden wird im Jahr 1746 auch in Hambach ein "Achterbürgermeister" erwähnt.
Neben dem Bürgermeister hatte, wie einführend erwähnt, auch das Dorf Hambach ein Haingericht, das jährlich den Bürgermeister zu wählen hatte. Leider existieren keine Urkunden mehr über die Namen der ersten Angehörigen des Hambacher Haingerichts.
Hambach hatte bis zur Gemeindereform im Jahre 1972 seine Selbständigkeit bewahren können. Das "Tal der Rosen" wird seitdem von Heppenheim aus verwaltet. Ein Ortsbeirat vertritt die Interessen der Hambacher gegenüber der Stadtverwaltung. Geblieben ist ferner ein Ortsgericht (alte Verwaltungstelle gegenüber der Kirche) für kleinere formelle Angelegenheiten der Bürger im Stadtteil.

Kirche
Die Einwohner im Dorf waren schon immer ein sehr gläubiges Volk gewesen. Am Platz der heutigen katholischen Kirche St. Michael stand bereits seit dem 16. Jahrhundert eine alte Wallfahrtskappelle, die ebenfalls dem heiligen St. Michael geweiht war. Im Jahre 1897 fand man unter dem Verputz bei den Abbrucharbeiten der Kappelle die Jahreszahl 1601 vor. Sie mußte einer neuen, wesentlich größeren Kirche am Ende der letzten Jahrhunderts weichen. Die Jahre vor dem Neubau waren für das religiöse Leben im Dorf eine sehr bewegende Zeit. Vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum 17. Jahrhundert hatte die Bevölkerung fünfmal den Glauben wechseln müssen. Neben dem katholischen Glauben mußten die Einwohner das lutherische, das calvinische sowie das reformierte Glaubensbekenntnis ablegen. Erst als aus Aschaffenburg kommende Jesuitenpater die Stadt Heppenheim sowie die umliegenden Dörfer im Jahre 1625 wieder rekatholisierten. wurde es wieder ruhiger. Nur als schwedische Truppen von 1631-1635 die Bergstraße besetzten, mußten die Hambacher noch einmal das katholische gegen ein reformiertes Meß- und Gesangbuch eintauschen. Eine große Mehrzahl der Hambacher Bevölkerung ist nach dem 30jährigen Krieg dem katholischen Glauben treu geblieben. Am 01.02.1888 wurde die Gemeinde Hambach eigenständige Pfarrei. Bereits am 10. Oktober 1886 ist ein Pfarrhaus neben der alten Kappelle seiner Bestimmung übergeben worden und der Heppenheimer Kaplan Edmund Lippert zog als Kurator in die neuen Räumlichkeiten ein.
Vorher wurden Taufen und Eheschließungen generell in der St.Peters-Basilika zu Heppenheim durchgeführt. Auch zum sonntäglichen Kirchgang mußten die Katholiken von Hambach nach Heppenheim. Pfarrer Johannes May (1895-1903) war es, der die Idee einer neuen Kirche für Hambach von den Heppenheimer Pfarrern Sickinger und Lippert übernommen hat. In die Zeit seines Wirkens in der Gemeinde fällt auch der Neubau von St. Michael. Sehr lange bemühte man sich, in Hambach eine neue Kirche zu hauen. Die Grundsteinlegung für die neue Kirche erfolgte am 15. August 1897. Nach einjähriger Bauzeit war es soweit. Am 14. August 1898 konnte die neue Kirche im Ortsmittelpunkt von Bischof Hafner aus Mainz eingeweiht werden. Das "Gnadenbild" der Muttergottes, von einem unbekannten Meister gemalt, noch heute am Seitenaltar zu sehen, stand schon in der alten Wallfahrtskappelle und wurde erstmals um 1740 erwähnt.

Brauchtum und Feste im Stadtteil Hambach
Schon immer war es ein großes Anliegen der Hambacher, an ihren Traditionen festzuhalten. Dies ist bis in die heutige Zeit so geblieben.
Die Hambacher Brennesselkerwe, immer zwei Wochen nach dem Osterfest und erste Kerwe im Jahr in unserem Kreisgebiet hat an Anziehungskraft nicht verloren. Hauptsächlich die Jugend bereitet diese Kerwe vor. Die drei Kerweborsch, die Rosenkönigin mit ihren beiden Begleiterinnen auf dem Rosenwagen, der Polizeidiener und der Straßenkehrer sind besonders wichtige Elemente und dürfen nicht fehlen, wenn am Kerwesonntag der bunte Umzug durch das Dorf rollt.
Die Fastnacht wird im Rosental schon seit jeher gefeiert. Heute hat der Stadtteil in der Schloßberghalle gute Voraussetzungen, Sitzungen und andere Fastnachtsveranstaltungen abzuhalten. Vor dem Bau der Schloßberghalle wurde noch zünftig in den Gaststätten gefeiert. Ein Siebenerrat sowie Prinz Carneval waren die Hauptakteure beim vierfarbbunten Treiben der alten Zeit. Noch heute sind die "Veggelsbecher" in aller Munde. Einige Hambacher Frauen gründeten die Truppe kurz nach dem 2. Weltkrieg. Als alte Hexen verkleidet ziehen sie noch heute durch Dorf und Stadt und nehmen am fastnachtlichen Brauchtum regen Anteil.
Heimat und heimatliche Sprache sind zwei untrennbare Komponenten. Die Mundart wird im Dorf noch besonders gepflegt. Eine vor mehreren Jahren ins Leben gerufene Theatergruppe pflegt die heimatliche Mundart bei ihren Stücken in besonderer Weise. Große Resonanz beim Besuch der Auführungen zeigt auch das starke Interesse der Bevölkerung nicht nur in Hambach.
Zum dörflichen Leben gehören auch die kirchlichen Feste. Prozessionen durch das Dorf an hohen kirchlichen Feiertagen gehören ebenso dazu wie das Pfarrfest, welches alljährlich gefeiert wird.
Feste Bestandteile sind auch die alljährlichen Feste der Hambacher Ortsvereine. Hierzu gehört das Anton-Rutz-Gedächtnisturnier des TSV Hambach, das Wiesenfest auf dem Gelände der Odenwaldschule veranstaltet durch das DRK sowie der "Tag der offenen Tür" der FFW Hambach.

Gewerbe und Ortsentwicklung im "Tal der Rosen"
Gewerbe

Mehr und mehr veränderte sich Ende des 19. Jahrhunderts der dörfliche Charakter des Dorfes. Die Landwirtschaft wurde immer mehr zugunsten der Industrie verdrängt. Die Hambacher, welche sich nicht mehr ausschließlich von der Landwirtschaft ernähren konnten, zog es nach Heppenheim, Weinheim, Mannheim und Darmstadt in die großen industriellen Zentren. Auch in diesem Jahrhundert wurden mehrere Höfe aufgegeben. Heute macht der Anteil der Erwerbstätigen im bäuerlichen Gewerbe nur noch ein kleiner Bruchteil aus.
Das enge Tal und der Hambach waren ideale Voraussetzungen für den Bau von Mühlen. Früher kamen die Bauern sogar aus dem Ried, um in Hambach ihr Getreide mahlen zu lassen. Insgesamt hatte Hambach 17 nachgewiesene Mühlen. Wenn auch nicht alle gleichzeitig in Betrieb waren. Die letzte Mühle, Hambacher Tal 13, stellte nach dem 2. Weltkrieg ihren Betrieb ein.
Das Mühlrad im Wappen des Stadtteils Hambach erinnert noch an das längst ausgestorbene Gewerbe. Mit Beginn der Unabhängigkeit von Wind und Wasser konnte sich der Beruf des Müllers im Dorf nicht mehr bis in heutige technisierte Zeit halten.
Ein weiterer Erwerbszweig war im letzten Jahrhundert noch die Steinindustrie. Am Felsenberg sowie am Lindenstein wurde fleißig Stein gehauen. Jedoch wurde die Steinbrüche wegen Unrentabilität mit Beginn des 20. Jahrhunderts wieder aufgegeben. Der alte Steinbruch am Lindenstein ist noch heute zu erkennen

Ortsentwicklung
Die Hambacher Gemarkungsfläche beträgt 605 Hektar. Davon sind 240 Hektar mit Wald bedeckt. Der Rest sind Wiesen, Weinberge und Gebäudeflächen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Jahre 1945 begann ein kontinuierlicher Anstieg der Bevölkerung. Zum Glück blieben die Häuser im Tal im Krieg vor Bombenangriffen überwiegend verschont. Dagegen konnte sogar die Hambacher Bevölkerung von der Hubenhecke aus in der Nacht vom 11./12.September 1944 beobachten, wie Darmstadt einem englischen Bombenangriff zum Opfer fiel und sich der Nachthimmel durch das Feuer glutrot verfärbte.
Nach Ende des grausamen Krieges haben viele Familien aus den ehemaligen Deutschen Ostgebieten eine neue Heimat gefunden. Der Bedarf an Wohnungen nahm mehr und mehr zu. Neue Häuser konnten entlang des Burgweges gebaut werden. Die spätere Kreisstraße 57 wurde nach dem großen Unwetter von 1953 oberhalb der Kirche bis Oberhambach asphaltiert.
1958 wurde mit der Erschließung des Baugebietes im Schalbert und im Schafhaus begonnen.
Lange bemühte sich der Gemeinderat um den Bau einer Mehrzweckhalle.; Im Jahre 1965 war es soweit, die auf den Namen "Schloßberghalle" getaufte Halle am Schalbert erlebte ihre Einweihung. Sie dient bis heute dem Sport sowie als eine Stätte kulturellen Lebens im Stadtteil Hambach.
Die Gemeinde Hambach mußte 1972 durch die Gemeindereform ihre Selbständigkeit aufgeben. Aus der Gemeinde Hambach wurde ein Stadtteil von Heppenheim. Schon sehr bald darauf wurde der Hambach der sich in Tausenden von Jahren seinen Weg durch das Tal gegraben hatte größtenteils verdohlt um genug Platz für eine notwendig gewordene Straßenverbreiterung und neue Asphaltierung der Kreisstraße 57 schaffen. Zeitgleich wurde ein neues Baugebiet in der Wertheimer Straße und am Kränzenberg oberhalb des Friedhofes erschlossen. Die Bemühungen des früheren Gemeinde- und heutigen Ortsbeirates, ein Baugebiet "Hubengüter rechts des Dorfes" zur Genehmigung freizubekommen, ist durch zahlreiche Klimagutachten die gegen eine Bebauung dieses Gebietes sprechen, bisher gescheitert.
Eine Vergrößerung des Stadtteils wird es in naher und mittlerer Zukunft wohl nicht geben. Einen Bauboom, wie er sich vor mehr als 30 Jahren in Hambach zeigte, wird sich so schnell nicht mehr wiederholen. Dafür kann das Dorf seinen ländlichen Charakter, trotz verkehrsgünstiger Lage zu den Nachbarstädten und den industriellen Zentren noch hoffentlich lange bewahren.

Nino Piazza

 

Brief zur Eingemeindung 1971